Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2025-12-09)
Bezug zu ET1-03 Elektrische Quellen
Aufgabe
Ein Funksender für den Amateurfunkbetrieb hat folgende Nenndaten:
- Maximale HF-Ausgangsleistung:
- Wirkungsgrad bei maximaler Leistung:
- Nenn-Versorgungsspannung: (Kfz-Bordnetz)
Der Sender wird über ein Kabel der Länge mit Querschnitt aus Kupfer () direkt an eine Autobatterie angeschlossen.
Der Sender verhält sich elektrisch wie ein ohmscher Widerstand (vereinfachtes Modell).
a) Welche elektrische Eingangsleistung benötigt der Sender bei Nennbetrieb?
b) Welchen Strom zieht der Sender bei Nennbetrieb? Bestimmen Sie den Eingangswiderstand des Senders.
c) Berechnen Sie den Widerstand des Anschlusskabels (Hin- und Rückleitung).
d) Die verwendete Autobatterie hat eine Leerlaufspannung von und einen Innenwiderstand von . Berechnen Sie den tatsächlichen Strom und die tatsächliche Spannung am Sender unter Berücksichtigung aller Widerstände.
e) Welche HF-Ausgangsleistung kann der Sender unter diesen Bedingungen noch liefern?
f) Stellen Sie die Leistungsbilanz unter diesen Bedingungen auf, um zu prüfen, ob die von der Quelle gelieferte Leistung und die der Verbraucher übereinstimmt.
Lösung
a)
b) ;
c)
d) ;
e)
f)
Lösung
Gegeben
Explizit gegeben:
- HF-Ausgangsleistung (Nennbetrieb):
- Wirkungsgrad:
- Nenn-Versorgungsspannung:
- Kabellänge (einfach):
- Kabelquerschnitt:
- Spezifischer Widerstand Kupfer:
- Leerlaufspannung Batterie:
- Innenwiderstand Batterie:
Bekannt:
- Wirkungsgrad:
- Leistung:
- Leiterwiderstand:
- Ohmsches Gesetz:
- Lineare Spannungsquelle:
Dabei ist:
- der Wirkungsgrad (dimensionslos)
- die HF-Ausgangsleistung in Watt ()
- die elektrische Eingangsleistung in Watt ()
- die Ausgangsleistung in Watt ()
- der spezifische Widerstand in
- die Leitungslänge in Meter ()
- die Querschnittsfläche in Quadratmeter ()
- der Innenwiderstand der Quelle in Ohm ()
- die Leerlaufspannung der Quelle in Volt ()
- die Klemmenspannung in Volt ()
Gesucht
a) Eingangsleistung bei Nennbetrieb
b) Nennstrom und Eingangswiderstand
c) Kabelwiderstand
d) Tatsächlicher Strom und Klemmenspannung
e) Tatsächliche HF-Ausgangsleistung
f) Vollständige Leistungsbilanz
a) Eingangsleistung bei Nennbetrieb
Der Sender wandelt elektrische Eingangsleistung mit dem Wirkungsgrad in HF-Ausgangsleistung um:
b) Nennstrom und Eingangswiderstand
Bei der Nenn-Versorgungsspannung:
Da der Sender sich wie ein ohmscher Widerstand verhält, gilt:
Kontrolle über Leistungsformel:
✔
c) Kabelwiderstand
Das Kabel besteht aus Hin- und Rückleitung, also doppelte Länge:
Der Leiterwiderstand berechnet sich nach:
d) Tatsächlicher Strom und Klemmenspannung
Wichtige Überlegung
Der Sender ist eine ohmsche Last mit konstantem Widerstand . Er bildet zusammen mit dem Kabelwiderstand und dem Innenwiderstand der Batterie einen Spannungsteiler. Der Strom stellt sich entsprechend dem Gesamtwiderstand ein – nicht nach der Nennleistung!
Ersatzschaltbild:

Gesamtwiderstand im Stromkreis:
Tatsächlicher Strom (Ohmsches Gesetz):
Klemmenspannung am Sender:
Kontrolle über Spannungsabfall an den Verlustwiderständen:
✔
e) Tatsächliche HF-Ausgangsleistung
Elektrische Eingangsleistung am Sender:
Oder über den Widerstand:
✔
HF-Ausgangsleistung:
Leistungseinbuße
Der Sender liefert nur noch 76 W statt der nominellen 100 W HF-Ausgangsleistung – ein Verlust von 24 %!
Dies liegt an:
- Niedrigere Leerlaufspannung der Batterie ( statt )
- Spannungsabfall an Innenwiderstand und Kabel
Fehlerbetrachtung: Was passiert, wenn wir hier mit dem zuvor ermittelten Nennstrom rechnen?
Ein naheliegender, aber falscher Ansatz wäre: „Der Sender braucht , also fließen , und damit berechne ich den Spannungsabfall.”
Fehlerhafte Rechnung mit Nennstrom :
Spannungsabfall an den Verlustwiderständen:
Klemmenspannung am Sender (falsch):
Vergleich mit korrekten Werten:
Größe Korrekt Falsch (mit ) Fehler Strom Klemmenspannung Leistung Sender * *berechnet mit
Analyse des Fehlers
Warum ist der Spannungsfehler klein, aber der Stromfehler groß?Der Spannungsabfall an beträgt nur ca. – ob wir mit oder rechnen, ändert diesen Wert nur um . Die Spannung am Sender ist also relativ robust gegenüber dem Stromfehler.
Aber: Der Strom selbst wird um fast überschätzt! Und da die Leistung proportional zu ist, pflanzt sich dieser Fehler in alle Leistungsberechnungen fort.
Der fundamentale Denkfehler:
Die Annahme „Der Sender zieht immer seinen Nennstrom” ist falsch. Ein ohmscher Verbraucher hat einen festen Widerstand, nicht eine feste Stromaufnahme. Der Strom ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Quellenspannung und Gesamtwiderstand:
Der Sender kann bei reduzierter Versorgungsspannung nicht mehr seine Nennleistung aufnehmen – er nimmt nur so viel Leistung auf, wie ihm bei der anliegenden Spannung durch seinen Widerstand „erlaubt” wird.
Praxisrelevanz
In der Praxis verhalten sich viele elektronische Geräte nicht rein ohmsch:
- Schaltnetzteile versuchen, konstante Leistung zu ziehen (Strom steigt bei sinkender Spannung)
- Lineare Regler begrenzen den Strom bei Unterspannung
- Motoren ändern ihren Widerstand lastabhängig
Das ohmsche Modell ist eine Vereinfachung, die für Grundlagenberechnungen gut geeignet ist. Für präzise Analysen muss das tatsächliche Lastverhalten berücksichtigt werden.
f) Leistungsbilanz
Leistung, die die Batterie liefert:
Verlustleistung am Innenwiderstand der Batterie:
Verlustleistung im Kabel:
Leistung am Sender:
Kontrolle – Leistungsbilanz:
✔
| Komponente | Leistung | Anteil |
|---|---|---|
| Sender | ||
| Kabel | ||
| Batterie- | ||
| Summe |
