Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2026-05-19)
Überblick über dieses Praktikum
Thema: Frequenzgang
Termin: 26.05.2026
Schwerpunkte:
- RC-Tiefpass
- Reihenschwingkreis
Bezug zu Lektionen: ET2-05
[!warning] Wichtiger Hinweis: Bereiten Sie sich unbedingt vor!
Erscheinen Sie niemals unvorbereitet zum Praktikum! Zur Vorbereitung gehört:
- Die Unterlagen zum Praktikum im ILIAS-Kurs aufmerksam und vollständig lesen.
- Die theoretischen Grundlagen sicher beherrschen — Sie müssen die Theorie auf dem Kasten haben.
Wer unvorbereitet erscheint, wird nicht zum Praktikum zugelassen.
Ziel des Praktikums
Dieser Versuch dreht sich um die zentrale Frage der Wechselstromtechnik: Wie verhalten sich Schaltungen, wenn sich die Frequenz ändert? Sie nehmen den Frequenzgang eines RC-Tiefpasses und eines RLC-Reihenschwingkreises auf und stellen Amplituden- und Phasengang grafisch dar. Am Ende sollten Sie verstanden haben, warum ein RC-Glied tiefe Frequenzen durchlässt und hohe dämpft, was bei der Resonanzfrequenz eines Schwingkreises passiert — und wie man diese Zusammenhänge messtechnisch sichtbar macht.
Inhalt
Der Versuch besteht aus zwei Hauptteilen:
Versuchsteil 1 — Frequenzgang eines RC-Tiefpasses
- Sie bauen einen RC-Tiefpass aus einem unbekannten Widerstand und einem unbekannten Kondensator auf und speisen ihn mit einer sinusförmigen Wechselspannung vom Funktionsgenerator.
- Bei einer festen Frequenz (1 kHz) oszillographieren Sie zunächst Ein- und Ausgangsspannung und messen die Phasenverschiebung — das gibt Ihnen ein erstes Gefühl für das Verhalten der Schaltung.
- Dann nehmen Sie systematisch Messpunkte für verschiedene Frequenzen auf (von 30 Hz bis 9 kHz): Effektivwerte von Strom, Ein- und Ausgangsspannung sowie die Phasenverschiebung.
- Sie bestimmen die Bauteilwerte von und durch direkte Messung und berechnen daraus die theoretische Grenzfrequenz. Anschließend suchen Sie die tatsächliche Grenzfrequenz messtechnisch — sie liegt dort, wo gilt.
- Aus den Messdaten berechnen Sie das Amplitudenverhältnis, die Verstärkung in dB und den Blindwiderstand . Die Ergebnisse werden in halb- und doppellogarithmische Diagramme eingetragen.
- Abschließend stellen Sie die komplexen Spannungen und den komplexen Strom in exponentieller und kartesischer Form auf und zeichnen ein Zeigerdiagramm.
Versuchsteil 2 — Frequenzgang eines RLC-Reihenschwingkreises
- Der RC-Tiefpass wird um eine Induktivität () zum Reihenschwingkreis erweitert. Die Ausgangsspannung ist hier die Spannung am Widerstand.
- Wieder nehmen Sie Messpunkte bei verschiedenen Frequenzen auf (100 Hz bis 9 kHz) und beobachten, wie sich Amplitude und Phase verändern.
- Sie berechnen die theoretische Resonanzfrequenz und suchen diese dann messtechnisch — erkennbar daran, dass der Strom dort maximal wird.
- Bei der Resonanzfrequenz messen Sie zusätzlich die Einzelspannungen an Widerstand, Kondensator und Spule und vergleichen diese.
- Die Ergebnisse werden wieder grafisch dargestellt, und Sie identifizieren die Betriebsbereiche (ohmsch, ohmsch-kapazitiv, ohmsch-induktiv) sowie das Filterverhalten der Schaltung.
Ablauf und Vorbereitung
Vorbereitung ist Pflicht
Unvorbereitete Studierende werden nicht zugelassen.
Starke Empfehlung: Testat vorweg als Selbsttest absolvieren.
Was Sie vorher auf dem Kasten haben müssen:
- Die komplexe Wechselstromrechnung beherrschen: komplexe Impedanzen von , und aufstellen, Gesamtimpedanzen berechnen, zwischen kartesischer und exponentieller Form umrechnen
- Den Frequenzgang eines RC-Tiefpasses herleiten können — Amplitudengang und Phasengang
- Wissen, was die Grenzfrequenz eines Tiefpasses ist und wie man sie berechnet ()
- Die Resonanzfrequenz eines Reihenschwingkreises berechnen können () und verstehen, was bei Resonanz physikalisch passiert
- Die Verstärkung in dB berechnen können ()
- Mit Zeigerdiagrammen für Spannungen und Ströme umgehen können
Wie der Versuch abläuft:
- Sie messen mit drei Multimetern gleichzeitig (Strom, Eingangsspannung, Ausgangsspannung) und nutzen das Oszilloskop zur Phasenmessung.
- Der Funktionsgenerator DG1022Z liefert die sinusförmige Eingangsspannung — die Amplitude wird einmal eingestellt und bleibt dann konstant, während Sie die Frequenz variieren.
- Die Phasenverschiebung lesen Sie über die Messfunktion „Phase” am Oszilloskop ab. Wenn diese zu stark schwankt, nutzen Sie stattdessen die Cursorfunktion.
- An definierten Stellen besprechen Sie Ihre Zwischenergebnisse mit dem Betreuer.
- Rechenwege sind aufzuführen; bei sich wiederholenden Berechnungen reicht eine Beispielrechnung.
Geräte, die Sie kennenlernen werden:
- Funktionsgenerator DG1022Z
- Digitaloszilloskop (Messfunktionen Phase, Cursor)
- Digitalmultimeter UT61D und SDM3045X
