Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2026-05-19)

Vortestat zu Praktikum 2 — Frequenzgang: RC-Tiefpass und RLC-Reihenschwingkreis (Elektrotechnik2_Praktikum2.pdf).

Theoretische Grundlagen aus den Lektionen ET2-02 Einführung in die Wechselstromtechnik, ET2-03 Komplexe Wechselstromrechnung, ET2-04 Bauelemente im Wechselstromkreis und ET2-05 Berechnung von Wechselstromschaltungen.

Ziel des Vortestats

Die folgenden 9 Fragen prüfen, ob Sie die theoretischen Grundlagen des Praktikums vor dem Termin durchdrungen haben. Unvorbereitete Studierende werden vom Praktikum ausgeschlossen — das Vortestat ist Ihre Selbstkontrolle. Rechnen Sie alle Zahlenwerte selbst nach und runden Sie auf drei signifikante Stellen.


Aufgaben

1. Effektivwerte und Kirchhoffsche Regeln

In der Praktikumsanleitung steht, dass für den RC-Tiefpass aus den gemessenen Effektivwerten nicht einfach gebildet werden darf.

a) Begründen Sie, warum die Maschenregel bei den drei gemessenen Effektivwerten nicht in dieser einfachen Summenform gilt.
b) Welche Größen müssen stattdessen addiert werden, damit die Maschenregel anwendbar bleibt?

2. Blindwiderstand des Kondensators

a) Erklären Sie in einem Satz die physikalische Bedeutung des Blindwiderstandes .
b) Berechnen Sie für bei , und .
c) Wie verhält sich qualitativ zur Frequenz?

3. Komplexe Impedanz der RC-Reihenschaltung

Gegeben sei eine RC-Reihenschaltung mit und .

a) Geben Sie in kartesischer Form an.
b) Berechnen Sie den Betrag und den Winkel .
c) Schreiben Sie in Polarform.

4. Phasenlage in der RC-Reihenschaltung

Gegeben sei die komplexe Impedanz einer RC-Reihenschaltung .

a) Welches Vorzeichen hat der Phasenwinkel ? Begründen Sie über das Vorzeichen des Imaginärteils.
b) Welche Phasenverschiebung folgt daraus zwischen und ? Eilt der Strom der Eingangsspannung vor oder nach?

5. Grenzfrequenz

a) Wie ist die Grenzfrequenz des RC-Tiefpasses definiert? Geben Sie die Bedingung für und die Bedingung für die Spannungen und an.
b) Leiten Sie die Formel aus der Bedingung her.
c) Berechnen Sie für und .

6. Dezibel-Skala beim Tiefpass

Aus der Praktikumsanleitung Abschnitt 2.4: .

a) Welcher Frequenz beim RC-Tiefpass entspricht der Wert ? Welcher Wert für liegt dort vor?
b) Welcher Frequenz entspricht ? Wie verhält sich diese zur Grenzfrequenz?
c) Wieviele dB pro Frequenzdekade fällt der Amplitudengang weit oberhalb von ab?

7. Blindwiderstand der Induktivität

Im Versuchsteil 2 wird die Induktivität verwendet (als ideal angenommen).

a) Berechnen Sie den Blindwiderstand bei , und .
b) Wie verhält sich qualitativ zur Frequenz?
c) Welcher Phasenwinkel zwischen Spannung und Strom liegt an einer rein idealen Spule vor?

8. Resonanz im RLC-Reihenschwingkreis

a) Welche Bedingung definiert die Resonanz im RLC-Reihenschwingkreis?
b) Berechnen Sie die theoretische Resonanzfrequenz für und .
c) Warum wird der Strom bei maximal? Geben Sie an.

9. Spannungsüberhöhung, Güte und Sicherheitshinweis

Bei Resonanz können die Spannungen und deutlich größer als die Eingangsspannung werden. Im Praktikum ist (Spitze-Spitze) am Funktionsgenerator vorgegeben, also (Effektivwert).

a) Erklären Sie qualitativ, warum die Überhöhung im Reihenschwingkreis auftreten kann, obwohl die komplexe Maschenregel weiterhin gilt.
b) Leiten Sie aus und den Zusammenhang mit der Güte her.
c) Berechnen Sie für die Praktikumsbauteile , für die beiden Fälle und . Welche Spannung erwarten Sie jeweils?
d) Welche Konsequenz hat das für das Verhalten im Praktikum? Was darf in keinem Fall geschehen?