Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2026-05-05)

Bezug zu ET2-05 Berechnung von Wechselstromschaltungen


Aufgabe

Eine Reihenschaltung aus einem ohmschen Widerstand , einer Spule und einem Kondensator wird mit einer sinusförmigen Wechselspannung mit Effektivwert und Frequenz betrieben.

Gegeben: , , , ,

a) Berechnen Sie die komplexe Gesamtimpedanz in kartesischer Form sowie ihren Betrag und ihren Phasenwinkel .
b) Wie groß ist der Effektivwert des Stromes ? Eilt der Strom der Spannung voraus oder hinterher?
c) Bestimmen Sie die Effektivwerte der Spannungen , und über den drei Bauelementen.
d) Wirkt die Schaltung bei insgesamt eher induktiv oder eher kapazitiv? Begründen Sie kurz.

◀️ zur Aufgabe


Lösung

Gegeben

Explizit gegeben:

  • (Effektivwert)

Bekannt:

  • Reihenschaltung von Impedanzen (ET2-05 Abschnitt 1.1):
  • Komplexe Impedanzen (ET2-04): , ,
  • Kreisfrequenz:
  • Ohmsches Gesetz im Wechselstromkreis: , Effektivwerte:

Gesucht

a) , ,
b) und Phasenlage gegenüber
c) , ,
d) Charakter der Schaltung (induktiv/kapazitiv) mit Begründung

a) Gesamtimpedanz

Zunächst berechnen wir die Kreisfrequenz und die drei Einzelimpedanzen:

Die Gesamtimpedanz ergibt sich als Summe — Realteile und Imaginärteile separat:

Betrag und Phase:

b) Effektivwert des Stromes

Die Phasenlage des Stromes folgt aus :

Der Strom eilt der Spannung um voraus — typisches Verhalten einer überwiegend kapazitiven Schaltung.

c) Spannungen über den Bauelementen

In einer Reihenschaltung fließt durch alle Elemente derselbe Strom. Die Effektivwerte der Einzelspannungen ergeben sich aus :

Plausibilitätscheck

Die Effektivwerte addieren sich nicht zu , weil die Spannungen unterschiedliche Phasenlagen haben. Korrekt ist die komplexe Addition: , wobei in Phase mit , um voreilend und um nacheilend ist. Mit dem Strom als Bezugsphase folgt . ✓

d) Charakter der Schaltung

Bei wirkt die Schaltung kapazitiv. Begründung in zwei Sätzen:

  • Der kapazitive Blindwiderstand ist deutlich größer als der induktive . Der resultierende Imaginärteil von ist negativ (), und der Strom eilt der Spannung voraus — das ist die kanonische Signatur eines überwiegend kapazitiven Verhaltens.

Brücke zu Abschnitt 7: Was passiert bei höherer Frequenz?

Mit steigender Frequenz wächst linear, während sinkt. Bei einer bestimmten Frequenz heben sich beide Beiträge exakt auf — das ist die Resonanzfrequenz . Mit den Werten dieser Aufgabe ergibt sich . Bei dieser Frequenz wäre die Schaltung rein ohmsch (), und der Strom maximal. Dieses Verhalten wird in Übung ET2-05.06 systematisch untersucht.

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