Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2026-04-27)

Bezug zu ET2-03 Komplexe Wechselstromrechnung


Aufgabe

Das konjugiert Komplexe ist ein scheinbar harmloses Werkzeug — doch es steckt hinter zwei zentralen Operationen der komplexen Wechselstromrechnung: der Division in kartesischer Form (mit der das Erweitern den Nenner reell macht) und der Berechnung des Quadrats des Betrags (). Diese Übung schärft das Verständnis dafür, warum genau diese Eigenschaft so nützlich ist.

Gegeben sind:

a) Geben Sie und an. Berechnen Sie die Produkte und .

b) Berechnen Sie die Beträge und und prüfen Sie für beide Zahlen die Identität .

c) Berechnen Sie den Quotienten in kartesischer Form, indem Sie den Bruch mit erweitern.

d) Zeigen Sie allgemein für jede komplexe Zahl mit , dass stets eine reelle und nicht-negative Zahl ist. Erklären Sie kurz, warum gerade diese Eigenschaft die Division in kartesischer Form ermöglicht.

◀️ zur Aufgabe


Lösung

Gegeben

Explizit gegeben:

Bekannt:

  • Konjugiert Komplexes (ET2-03): , geometrisch eine Spiegelung an der reellen Achse
  • Produkt einer komplexen Zahl mit ihrer Konjugation (ET2-03):
  • Division in kartesischer Form (ET2-03): Erweiterung des Bruchs mit macht den Nenner reell
  • (ET2-03)

Gesucht

a) , , ,
b) , , Verifikation von
c) in kartesischer Form
d) Allgemeiner Beweis, dass reell und nicht-negativ ist

a) Konjugiert Komplexes und Produkte

Konjugationen (Vorzeichen des Imaginärteils umkehren):

Produkt (binomische Formel ):

Produkt :

Beide Produkte sind reell und positiv — ein Vorgriff auf die allgemeine Eigenschaft in d).

b) Beträge und Verifikation der Identität

Verifikation der Identität :

| Zahl | | | Identität erfüllt? |
|:---|:---:|:---:|:---:|
| | | | ✓ |
| | | | ✓ |

c) Division in kartesischer Form

Den Bruch mit erweitern:

Nenner — bereits in Aufgabenteil a) berechnet:

(Reell und positiv — genau das wollten wir mit der Erweiterung erreichen.)

Zähler — ausmultiplizieren mit :

Quotient:

Konsistenzprüfung über die Polarform:

In kartesischer Form:

Beide Wege führen zum identischen Ergebnis.

d) Allgemeiner Beweis

Sei mit . Dann ist und

Ausmultiplizieren:

Die gemischten Terme und heben sich auf. Mit wird der letzte Term zu :

Reellwertigkeit: Da und reell sind, sind auch und reell. Ihre Summe ist reell.

Nicht-Negativität: Quadrate reeller Zahlen sind stets , also gilt und . Damit ist .

Bedeutung für die Division: Wenn man einen Bruch mit erweitert, wird der Nenner zu — einer reellen, positiven Zahl. Der komplette Bruch wird dadurch zu einer komplexen Zahl geteilt durch eine reelle Zahl, was sich trivial in Real- und Imaginärteil zerlegen lässt:

Ohne diese Eigenschaft müsste man komplexe Brüche mit Polynomdivisionen oder anderen aufwendigen Methoden behandeln — die Konjugation ist also der entscheidende Trick, der die Division in kartesischer Form überhaupt erst praktikabel macht.

Geometrische Interpretation

— das Produkt entspricht dem Quadrat der Zeigerlänge. Geometrisch: Multipliziert man mit , so addieren sich die Beträge multiplikativ (), und die Phasenwinkel addieren sich zu — das Ergebnis liegt also exakt auf der reellen Achse mit dem Wert . Diese geometrische Sichtweise erklärt das Resultat ohne jedes Ausmultiplizieren.

Im Kontext von ET2

Die Konstellation taucht in ET2-06 in zentraler Rolle wieder auf — als komplexe Scheinleistung . Der Realteil von ist die Wirkleistung , der Imaginärteil die Blindleistung . Die Konjugation des Stroms ist dabei kein Rechentrick, sondern liefert die physikalisch korrekte Phasenbeziehung zwischen Spannung und Strom für die Leistungsbilanz. Wer hier die Eigenschaften von sicher beherrscht, hat in ET2-06 einen klaren Vorteil.

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