Prof. Dr. Thorsten Jungmann (Stand 2025-11-24)

Bezug zu ET1-09 Magnetisches Feld und Induktivität


Aufgabe

Eine lange Zylinderspule (Luftkern) wird in einem mechatronischen Linearantrieb als Elektromagnet eingesetzt. Die Spule hat folgende Daten:

  • Windungszahl:
  • magnetisch wirksame Länge:
  • Betriebsstrom:
  • Luftkern:

a) Berechnen Sie die magnetische Durchflutung und die magnetische Feldstärke im Inneren der Spule.

b) Bestimmen Sie die magnetische Flussdichte im Inneren der Spule (Luftkern).

c) Nun wird ein Eisenkern mit relativer Permeabilität in die Spule eingeschoben. Berechnen Sie die neue Flussdichte (Sättigungseffekte werden vernachlässigt).

d) Interpretieren Sie Ihr Ergebnis aus Teil c): Wie verändert sich grundsätzlich die theoretisch erreichbare Kraft eines solchen Elektromagneten, wenn der Luftkern durch einen Eisenkern ersetzt wird?

◀️ zur Aufgabe


Lösung

a) Magnetische Durchflutung und Feldstärke

Gegeben:

Gesucht:

  • magnetische Durchflutung
  • magnetische Feldstärke

Zusammenhänge:

Die magnetische Durchflutung einer Spule ist definiert als

und für eine lange Zylinderspule gilt näherungsweise

Berechnung der Durchflutung:

Berechnung der Feldstärke:

Ergebnis:


b) Magnetische Flussdichte im Luftkern

Gegeben:

  • Luftkern:
  • magnetische Feldkonstante:

Zusammenhang:

Für den Luftkern ():

Zunächst:

Damit:

Also:

Ergebnis:


c) Flussdichte mit Eisenkern

Gegeben:

  • (unverändert, da , und gleich bleiben)

Berechnung:

Ergebnis:

(Die so berechnete Flussdichte liegt in einem typisch realistischen Bereich für einen nicht gesättigten Eisenkern.)


d) Interpretation: Einfluss auf die Kraft

Die mechanische Kraft, die ein Elektromagnet z. B. auf einen Eisenanker ausüben kann, hängt näherungsweise vom Quadrat der Flussdichte im Luftspalt ab (Reluktanzkraft):

  • Im Luftkern:
  • Mit Eisenkern:

Damit steigt die Flussdichte um den Faktor :

also ungefähr um den Faktor .

Da die Kraft proportional zu ist, würde die theoretisch mögliche Kraft idealisiert um ungefähr den Faktor

ansteigen.

Praktische Grenzen

In der Praxis wird dieser enorme theoretische Faktor jedoch stark begrenzt durch

  • die Sättigung des Eisenkerns (ab ca. steigt kaum noch),
  • Streufelder und Luftspalte,
  • Verluste (Wirbelströme, Hystereseverluste),
  • thermische Grenzen (Erwärmung durch Kupferverluste in der Spule).

Trotzdem zeigt die Rechnung deutlich:
Der Einsatz eines weichmagnetischen Eisenkerns erhöht bei gleichen elektrischen Betriebsdaten (, , ) die magnetische Flussdichte und damit die potenzielle Antriebskraft eines Elektromagneten in mechatronischen Systemen ganz erheblich.